„Fahrrad-Ferrara“ und „Raben-Ravenna“ – 2 besondere Städtetipps an der Adria

Alle Wege führen nach… Venedig? Wer an der mittleren und nördlichen Adriaküste Urlaub verbringt, wird natürlich mindestens einmal die einzigartige Lagunenstadt besichtigen. Aber bei der ganzen Pracht von Markusplatz, Dogenpalast und Rialtobrücke wird oft übersehen, dass die italienische Adriaküste noch viel mehr reizvolle Städte bietet. Gerade mit Kindern kann es sehr erholsam sein, die touristisch weniger überlaufenen Perlen der Emilia-Romagna zu entdecken: Ferrara in der Po-Ebene und Ravenna nah der Küste. Vom im Juni 2012 neu eröffneten “Glamping-Dorf” im Campingpark Villaggio Barricata in Bonelli Porto Tolle aus sind beide Städte per Tagesausflug in guten eineinhalb Autostunden erreichbar. Die Anreise nach Ravenna und Ferrara ist einfacher als nach Venedig (wo noch Zug oder Boot benötigt wird). Die Parkhausgebühren sind deutlich geringer. Es gibt ebenfalls viel zu sehen, und das Leben ist angenehm gelassen und typisch italienisch. Für unsere Glamping- und Camping-Gäste im Villaggio Barricata und auf anderen Campingplätzen der mittleren Adriaküste/Emilia-Romagna haben wir von Vacanceselect diese Tipps zusammengestellt:

 

 

„Fahrrad-Ferrara“

 

 

Ferrara bietet zwei für italienische Großstädte sehr „untypische“ Eigenschaften: Sie wurde nicht von den alten Römern gegründet, sondern von Ureinwohnern des Po-Deltas. Außerdem ist sie gut für eine Stadterkundung per Fahrrad geeignet, auch mit Kindern: Dank ebenem Gelände, breiter Fußgängerzonen und einer 9 km langen, von Rad- und Fußwegen begleiteten Stadtmauer. Fahrräder können fast überall in der mittelgroßen Stadt ausgeliehen werden, die sich wegen ihrer großen Bedeutung beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit auch „Stadt der Renaissance“ nennt. Sehenswert ist neben dem mittelalterlichen Stadtwall und den ihn umgebenden Grünanlagen die Kathedrale San Giorgio, eine der mächtigsten gotischen Kirchenbauten Norditaliens.
Ein weiteres Highlight für Ferrara-Besucher: die von Wassergräben umgebene Burg Castello Estense, im 14. und 15. Jahrhundert Residenz der Fürsten aus dem Geschlecht der Este. Besteigen Sie den „Löwenturm“, um das Panorama über Ferraras historische Altstadt zu genießen. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 8 Euro für die Schlossbesichtigung plus 2 Euro für den Löwenturm. Alle aktuellen Infos, Preise und Öffnungszeiten der vielen Burgen, Kirchen, Museen und weiterer Sehenswürdigkeiten Ferraras finden Sie (in Englisch, sehr übersichtlich aufbereitet) auf der Tourismusseite der Stadt. Vogelfreunde, die zum „Bird-Watchen“ im Po-Delta waren, können sich in Ferrara das naturkundliche Museum ansehen. Es ist besonders für seine ornithologische Sammlung bekannt. Einen Eindruck über den Glanz und Luxus der Renaissance bietet die Casa Romei (Eintritt für Kinder frei, für Erwachsene 3 Euro). Nachdem Giovanni Romei die Prinzessin Polinessa aus der Fürstenfamilie D‘Este geheiratet hatte, wurde er einflussreicher Verwalter Ferraras. Er schmückte sein Haus mit herrlichen Fresken und Mosaiken. Bei so viel Kultur sollten Sie eine Pause in entspannter Atmosphäre einplanen: Bei einem Cappuccino und Eis in der von liebevoll hergerichteten Althäusern gesäumten Fußgängerzone.
Wenn Sie Ende Mai die Region Emilia-Romagna besuchen, zum Beispiel in den süddeutschen Pfingstferien, dann erkundigen Sie sich bei Ihrem Campingplatz bitte nach dem Termin des „Palio“, dem legendären Pferderennen. Dann liefern sich die Reiter im Galopp spannende Rennen mitten in Ferraras Altstadt: Vielleicht nicht so rabiat wie beim Palio im toskanischen Siena, aber mindestens genauso eindrucksvoll: dank der rassigen Pferde, der Renaissance-Kostüme und des gut gelaunten, begeisterten Publikums.
Aber zurück zu den Drahteseln: Die Einwohner Ferraras radeln übrigens nach einer Studie genauso gern und oft wie die Bewohner Amsterdams, aber meist langsam und rücksichtsvoll. Sie sind in diesem Sinne also keine ‚Ferraristi‘, womit man die Fans der schnellen, häufig knallroten Sportwagen bezeichnet… Die Automarke Ferrari hat ihren Namen übrigens nicht von der Stadt, sondern von ihrem Gründer Enzo Ferrari. Aber die Sportwagenschmiede liegt weniger als eine Autostunde entfernt, in Marinello bei Modena. Ein Besuch im dortigen Ferrari-Museum kann also durchaus mit dem Ausflug nach Ferrara kombiniert werden.

 

 

„Raben-Ravenna“
Ravenna wurde früher in Deutsch „Raben“ genannt und ab dem 5. Jahrhundert nach Christi Geburt prächtig ausgebaut, weil es zeitweise Hauptstadt des weströmischen Reiches war. Auch die Germanenstämme, die Ost- und Westgoten, trieben hier ihr Unwesen: Sie haben sich im Jahr 493 kräftig bekämpft, insbesondere in der berühmten „Rabenschlacht“. Der kurz danach siegreiche Ostgotenkönig Theoderich ließ sich in Ravenna gleich eine einmalige Grabstätte bauen: Ein komplettes Gebäude, gemeißelt aus einem einzigen riesigen Stein, der extra aus dem heutigen Kroatien herangeschafft wurde. Nach den Römern und Goten kamen unter anderem Langobarden, Venezianer und der Vatikan. Durch die wechselvolle Geschichte und die frühere, strategisch günstige Lage direkt am Meer wurde Ravennas Altstadt mit zahlreichen Palästen und Kirchen unterschiedlichster Epochen geschmückt. Die UNESCO hat sie mit dem Titel Weltkulturerbe geadelt.
Heute ist Ravenna eine Stadt etwa so groß wie Heidelberg oder Freiburg, die zu Fuß sehr gut an einem Tag erkundet werden kann, auch mit Kindern. Ravenna lädt zu einem Bummel mit typisch italienischer, vom Massentourismus weitgehend verschonter Atmosphäre ein: Vom zentralen Platz Piazza del Popolo sollten Sie zum Stadtturm schlendern – der ist zwar nicht so hoch wie der Turm in Pisa, aber genauso schief! Ravenna ist auch die Stadt der „Steinteppiche“, kunstvoll gestalteter bunter Mosaiken. Von Künstlern aus Byzanz gemeinsam zusammen mit der Stickereikunst hierher gebracht, wurden in unzähligen Arbeitsstunden religiöse Motive erstellt. Später kamen Naturdarstellungen des Po-Deltas und Abbilder der Herrscherfamilien hinzu. Noch heute können Sie in zahlreichen Werkstätten beim Mosaiklegen zuschauen, und im nahen Strandbad Lido Adriano gibt es sogar Mosaikkurse zum Mitmachen.
Für Familien mit Kindern empfehlen wir vor allem das Spielzeugmuseum in der Via Marco Fantuzzi mit über 100 Jahre alten Autos, Spielen und vor allem Puppen, malerisch im Palazzo Rasponi Murat gelegen. Auch das Haus der Marionetten in der Vicola Padenna 4 a ist einen Besuch wert. Hier hat die Familie Montinelli unzählige bunte, mit viel Phantasie gestaltete Figuren zusammen getragen. Und wenn Ihre Kinder auf spannende Art und Weise erfahren möchten, wie früher das Salz für das Frühstücksei gewonnen wurde: Dann empfehlen wir einen Abstecher ins Naturschutzgebiet des nur 20 Autominuten entfernten Cervia. Im dortigen antiken Salzspeicher zeigt eine kurzweilig aufgebaute Ausstellung von Booten, Werkzeugen und mehr, wie mühsam das Salz früher aus Salinen und Salzseen gewonnen wurde.
Zum Mittag- oder Abendessen empfehlen wir, in eine der gemütlichen Trattorien Ravennas einzukehren. Die Region Emilia-Romagna wird nicht von ungefähr „der Bauch Italiens“ genannt. Ob das feine Fladenbrot Piadina, mit Weichkäse gefüllte Teigtaschen oder auf dem Holzkohlegrill zubereitetes Schweinefleisch: Hier werden auch Kinder etwas Leckeres auf den Speisekarten finden. Und auch etwas sehr Gesundes, nämlich rohes Gemüse, wird dank des feinen Olivenöl- und Balsamico-Dressings als „Pinzimonio“ bestimmt gerne gegessen. Falls Ihre Kids bei so viel Kultur und Kulinarik am nächsten Urlaubstag ein bisschen Action wollen: Dann bietet die Region rundum Ravenna auch zahlreiche Freizeitparks

 

 

Fazit

 

Auch wenn Sie Venedig schon gesehen haben, gibt es an der oberen italienischen Adria neben den breiten Sandstränden und Lagunen noch viel mehr zu entdecken: die Mosaik- und Weltkulturerbestadt Ravenna und das von Fahrrädern und Pferderennen begeisterte Ferrara. Erleben Sie mit Ihren Kindern Strand, Kultur und einen reizvollen Teil des „echten Italiens“!

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